VEFK-Gehalt

„Habe ich als VEFK eine zusätzliche Vergütung zu erwarten und wenn ja, in welcher Höhe?“

Es gibt für unterschiedliche VEFK auch unterschiedliche Vergütungsansätze, hier ist keine „pauschale“ Antwort möglich, es sind hier vielmehr einige Fallkonstellationen bezüglich eines möglichen VEFK-Gehalts zu unterscheiden.

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Generell kann man sagen, dass der Vergütungszuwachs bei „nebenamtlichen“ VEFK, der in der Regel für die Dauer der Ausübung der Rolle in Form einer Funktionszulage vergütet wird, direkt vom konkreten und im Einzelfall zu bewertenden Aufgaben- und Verantwortungszuwachs abhängt, den die Pflichtenübertragung mit sich bringt.

In der Praxis wird die VEFK-Tätigkeit übrigens auch in ganz vielen Fällen leider überhaupt nicht finanziell vergütet. Dies ist eine Feststellung ohne eine Wertung, die jedoch auf einer breiten Praxiserfahrung beruht.

Die abgebildete Folie stellt in Matrix-Form verschiedene Fälle vor, die jeweils zu einer individuellen VEFK-Vergütung führen können. Über die Tabelle kann man im Detail sicherlich diskutieren, sie soll an dieser Stelle lediglich Tendenzen in qualitativer Hinsicht aufzeigen.

VEFK-Pflichten-
Niederlegung

„Wie kann ich als VEFK die übernommenen Aufgaben wieder niederlegen?“

Um die Frage beantworten zu können müssen parallel die drei möglichen und sehr unterschiedlichen Formen der VEFK-Übernahme beschrieben werden.

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  • Nebenamtliche VEFK ohne Nennung der VEFK-Funktion in der Arbeitsplatz- bzw. Stellenbeschreibung

    • Standardfall und „Klassiker“ in den meisten Unternehmen;
    • Aufgaben, die mit Bestellung tatsächlich zusätzlich übernommen wurden, können niedergelegt werden, in der Regel ohne den Arbeitsvertrag zu tangieren.

  • Nebenamtliche VEFK mit Nennung der VEFK-Funktion in der Arbeitsplatz- bzw. Stellenbeschreibung

    • Ist sinnvoll, wenn die VEFK-Stelle fest mit einer Unternehmensfunktion verbunden werden soll und klar ist, dass die Stelle immer wieder mit Personen besetzt werden soll, die elektrotechnisches Know-how besitzen.
    • Erspart den Vorgesetzten das „Suchen“ immer neuer VEFK für einen Unternehmensbereich.
    • Trotz der „Nebenamtlichkeit“ ist die Aufgabe über die Funktionsbeschreibung fester Bestandteil der arbeitsvertraglichen Aufgabe und nicht ohne weiteres niederlegbar.

  • Hauptamtliche VEFK, die die Rolle im Rahmen einer Vollzeitstelle ausfüllt

    • Kommt nur in sehr großen Unternehmen und dort auch nur im Rahmen der übergeordneten VEFK-Stellen in einer mehrstufigen VEFK-Organisation vor.
    • Da es sich um die Hauptaufgabe handelt, erübrigt sich die Frage der Niederlegbarkeit. Niederlegung hieße in diesem Fall wohl Kündigung.

 

Alternativer Ansatz: Denkbar wäre auch, im ersten Schritt nicht die gesamte VEFK-Aufgabe niederzulegen, sondern nur die Aufgabe bzw. den konkreten Aufgabenbereich und die Verantwortung in demjenigen Bereich „zurück zu delegieren“, in dem es Probleme gibt. Das könnte man dann als „partielle Niederlegung „ der VEFK-Aufgaben nennen.Siehe hierzu auch die Ausführungen in der VDE-Schriftenreihe 135 „Anlagenbetreiber Elektrotechnik und verantwortliche Elektrofachkraft“ im Kapitel 6.8.1.

VEFK-Aufgaben

„Welche Aufgaben übernehme ich als VEFK?“

Die konkreten VEFK-Aufgaben können sich „von VEFK zu VEFK“ natürlich deutlich unterscheiden. So hat eine VEFK im Bereich des Facility-Managements natürlich völlig andere Aufgaben als eine VEFK in einem elektrischen Prüffeld oder eine VEFK im Bereich der Maschinen- und Produktionstechnik.

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Die folgende Aufzählung enthält – um einen umfassenden Überblick zu verschaffen – alle wesentlichen Aufgabenbereiche mit einigen Unteraufgaben und ist somit im Prinzip die Aufgabenbeschreibung für eine gesamtverantwortliche Elektrofachkraft in einem großen Unternehmen, von der aber grundsätzlich alle Aufgaben für nachgelagerte VEFK abgeleitet werden können:

1) Bereich der grundlegende Organisation des Elektrobereichs und fachliche Pflichtenübertragungen

  • Aufbau und Erhalt einer fachlichen Struktur (je nach Betriebsgröße mit Organigramm), in der alle im Bereich der Elektrotechnik vorhandenen Qualifikationsstufen des Unternehmens mit den entsprechenden Leitungs- und Aufsichtsfunktionen abgebildet und zugeordnet sind
  • Auswahl und schriftliche Bestellung der in der Elektrotechnik tätigen Personen, wie beispielsweise Anlagenverantwortliche, Schaltberechtigte, Elektrofachkräfte oder elektrotechnisch unterwiesene Personen in Abstimmung den disziplinarischen Führungskräften
  • Auswahl geeigneter Aufsichtskräfte
  • Ausübung der Kontrolle gegenüber einzusetzenden Arbeitskräften inklusive schriftlichen Nachweisen über die durchgeführten Kontrollen
  • Aufbau und Aufrechterhaltung eines fachlichen betrieblichen Anweisungswesens durch Erstellung und Pflege von Dokumenten für die verschiedenen Funktionsgruppen und Tätigkeiten im Elektrobereich mit Betriebsanweisungen, Verfahrensanweisungen, Arbeitsanweisungen und Montageanweisungen


2) Bereich Planen, Errichten, Betreiben, Instandhalten und Ändern

  • Planen, Konstruieren und Projektieren von elektrischen Anlagen / Maschinen
  • Errichten elektrischer Anlagen / Maschinen
  • Organisation des Inbetriebnahme-Prozesses
  • Organisation der Prüfung vor der ersten Inbetriebnahme inklusive Schnittstelle zum Errichter / Hersteller
  • Organisation und Festlegung einer Zutrittsregelung für elektrische Betriebsstätten und abgeschlossene elektrische Betriebsstätten
  • Organisation der Durchführungserlaubnis sowie Arbeitsfreigabe bei Arbeiten an oder in der Nähe von elektrischen Anlagen
  • Festlegen zulässiger Tätigkeiten für die Arbeitsverfahren gemäß DIN VDE 0105-100:

    • Arbeiten im freigeschalteten Zustand,
    • Arbeiten in der Nähe unter Spannung stehender Teile,
    • Regelungen zum Arbeiten unter Spannung (AuS) gemäß DGUV Regel 103-011

  • Organisation von Wartung, Inspektion, Instandhaltung inklusive der erforderlichen wiederkehrenden Prüfungen, Ergreifen von Verbesserungsmaßnahmen, Abstellen von Mängeln
  • Regelung des Prozesses der Änderung elektrischer Anlagen und Maschinen
  • Organisation und Festlegung eines Notfallkonzepts für den Bereich der Elektrotechnik


3) Bereich Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen zum Schutz vor elektrischen Gefährdungen

  • Unterstützung bei der Erstellung der tätigkeitsbezogenen Gefährdungsbeurteilung im Bereich der Elektrotechnik nach ArbSchG
  • Unterstützung bei der Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen nach Betriebssicherheitsverordnung für Arbeitsmittel, unter anderem zur Ermittlung von Prüffrist, Prüfart und Prüfumfang
  • Unterstützung bei der Erstellung von Gefährdungsbeurteilungen für elektrischen Anlagen nach ArbStättV, DGUV Vorschrift 3, DIN VDE 0105-100


4) Bereich Kommunikation und Schnittstellen des Elektrobereichs mit anderen Unternehmensbereichen

  • Ansprechpartner, beispielsweise gegenüber der Geschäftsleitung / dem Vorstand für alle Themen der Elektrotechnik
  • Erstellung und regelmäßige Lieferung eines Berichtswesens zum Elektrobetrieb und zum Thema Elektrosicherheit zur Information der Managementebene
  • Informieren der Betriebsöffentlichkeit über aktuelle Themen zur Elektrosicherheit, beispielsweise in Form von Rundschreiben zur Benutzung oder zur Ankündigung der Überprüfung elektrischer Arbeitsmittel usw.
  • Organisation von Fach- und Erfahrungsaustauschen mit allen verantwortlichen Elektrofachkräften
  • Enge Zusammenarbeit und Kommunikation mit dem Bereich Einkauf bei der Beschaffung für den elektrotechnischen Bereich sowie mit der Rechtsabteilung, der Compliance-Abteilung, der Personalabteilung etc.


5) Bereich Dokumentation

  • Pflege und geordnete Ablage der für den Bereich der Elektrotechnik relevanten Dokumente wie beispielsweise Anlagendokumentation, Anweisungen, Gefährdungsbeurteilungen, Prüfdokumente etc.
  • Für elektrische Arbeitsmittel, Anlagen und Maschinen sollten die Protokolle, die den Prüflingen 1:1 zuzuordnen sind, an einem zentralen Ort archiviert werden
  • Dokumentation der Kontrolle von eigenen Mitarbeitern sowie von Fremdfirmen
  • Dokumentation der Kalibrierung der Messmittel durch einen Messmittelbeauftragten


6) Bereich technische Produktdokumentation

  • Erstellung oder Übernahme der Dokumentation der CE-Kennzeichnung und der Konformitätsbewertung
  • Gegebenenfalls Etablierung eines CE-Kennzeichnungsbeauftragten
  • Abnahme von erbrachten Leistungen im Bereich der Elektrotechnik


7) Bereich Fremdfirmeneinsatz

  • Mitwirkung bei der Auswahl, Einweisung und Dokumentation der Kontrolle von Fremdfirmen im Rahmen von elektrischen Gefährdungen


8) Bereich persönliche Schutzausrüstung und Arbeitskleidung

  • Bereitstellung von geeigneter Arbeitskleidung (für Elektrofachkräfte mit Störlichtbogenschutz gemäß VDE 0682-306-1-2
  • Bereitstellung von persönlicher Schutzausrüstung
  • sowohl Kleidung als auch PSA müssen in regelmäßigen Zeitabständen auf den Erhalt ihrer Eigenschaften überprüft werden


9) Bereich koordinierte Bereitstellung von relevanten Regelwerken

  • staatliche Vorschriften
  • berufsgenossenschaftliche Vorschriften
  • VDE-Bestimmungen
  • VdS- und vdi-Regelwerke
  • betriebsinterne Vorgaben („Werksnormen“)


10) Bereich Qualifikationsaufbau und-erhalt

  • Einarbeitung neuer Mitarbeiter
  • Regelmäßige Unterweisung und Weiterbildung der Mitarbeiter
  • Dokumentation der Unterweisungen
  • Erstellung und Pflege eines Aus- und Weiterbildungsplans für die unterstellten Mitarbeiter und damit Sicherstellung der fortlaufenden Qualifizierung
  • Führung einer Qualifikationsmatrix für die im Bereich der Elektrotechnik tätigen Personen


Siehe hierzu auch die Ausführungen in der VDE-Schriftenreihe 135 „Anlagenbetreiber Elektrotechnik und verantwortliche Elektrofachkraft“ im Kapitel 3.9 und 6.2.4.

VEFK-Haftung

„Welche Haftung kann mir als VEFK drohen?“

Es gibt keine „spezielle VEFK-Haftung“, in der Regel fällt die VEFK unter die „normale Arbeitnehmer-Haftung“. Jeder Arbeitnehmer haftet grundsätzlich für durch ihn bei der Ausübung seiner Tätigkeit schuldhaft verursachten Schäden.

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Zur Vermeidung unzumutbarerer Haftungsrisiken haben die Gerichte jedoch in jahrzehntelanger Rechtsprechung wichtige Grundsätze zur Begrenzung der Arbeitnehmerhaftung entwickelt („innerbetrieblicher Schadensausgleich“), die als ständige Rechtsprechung angesehen werden können. Diese Arbeitnehmerhaftung sieht ein mehrstufiges Haftungsmodell vor.

Zusätzlicher Schutz kann in großen Unternehmen, die über starke Betriebs- oder Personalräte verfügen und / oder Tarifverträgen unterliegen, dadurch entstehen, dass es hier weitere Haftungseinschränkungen gibt. Details zeigt die tabellarische Abbildung.

Neben den hier beschriebenen arbeitsrechtlichen Aspekten können im Einzelfall natürlich auch noch straf- und  zivilrechtliche Aspekte sowie versicherungsrechtliche Aspekte von Bedeutung sein. Aber auch hier ist festzuhalten, dass sich bezüglich der VEFK-Tätigkeiten keine Besonderheiten ergibt; das heißt, bei schuldhaftem Handeln müssen sich alle Personen dieser Bewertung stellen, unabhängig davon, ob sie eine VEFK-Pflichtenübertragung unterzeichnet haben oder nicht.

Siehe hierzu auch die Ausführungen in der VDE-Schriftenreihe 135 „Anlagenbetreiber Elektrotechnik und verantwortliche Elektrofachkraft“ im Kapitel 1.3.

VEFK-Versicherung

„Benötige ich als VEFK eine separate Versicherung?“

Es gibt keine „spezielle VEFK-Versicherung“ und in den meisten Firmen sind Mitarbeiter über Gruppenversicherungen gegen klassische Risiken versichert.

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Als VEFK kann es sinnvoll sein, mit in die (in der Regel bereits bestehende) Führungskräfteversicherung des Unternehmens aufgenommen zu werden (häufig so genannte D&O-Versicherung). Grob und in erster Näherung kann man das Thema wie folgt zusammenfassen:

  • Leichte Fahrlässigkeit:
    Mitarbeiter ist in Ausübung seiner Tätigkeit vollständig über den Arbeitgeber abgesichert.
  • Mittlere Fahrlässigkeit:
    „Quotelung des Schadens“; über den Arbeitgeber nur bedingt abgesichert; ggfs. über zusätzliche Versicherung abdeckbar.
  • Grobe Fahrlässigkeit oder „mehr“:
    Zunächst volle Haftung beim Mitarbeiter, eine versicherungstechnische Abdeckung nur in Ausnahmefällen möglich.

Zusätzlich kann  der Abschluss einer Rechtsschutzversicherung, die eine Strafrechts-Rechtsschutzversicherung beinhaltet, sinnvoll sein. In vielen Unternehmen wird das allerdings schon zum Standard-Versicherungsrahmen  des Unternehmens für die Beschäftigten gehören. 

Siehe hierzu auch die Ausführungen in der VDE-Schriftenreihe 135 „Anlagenbetreiber Elektrotechnik und verantwortliche Elektrofachkraft“ im Kapitel 3.8.3.

VEFK-Schulung /
VEFK-Seminar

„Muss ich vor der Bestellung zur VEFK eine VEFK-Schulung besucht haben?“

Es ist nicht vorgeschrieben vor der Aufgabenübernahme als VEFK ein Seminar bzw. eine Schulung zu besuchen. Je geringer die Vorkenntnisse zum Thema im Einzelfall sind, desto sinnvoller ist es natürlich eine solche Veranstaltung, die in der Regel von Seminaranbietern als zweitägiges Seminar angeboten wird, zu besuchen.

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Die Angebote für VEFK-Schulungen und VEFK-Seminare beziehen sich in der Regel immer nur auf die Grundlagen zum Thema, im Detail unterscheiden sich die Aufgaben unterschiedlicher VEFK aus verschiedenen Unternehmen verschiedener Branchen erheblich.

Bezüglich einer VEFK-Weiterbildung rate ich zu einer sorgfältigen Auswahl des Anbieters, hier gibt es große qualitative Unterschiede, wichtig ist hier auf eine entsprechende Praxiserfahrung des Dozenten zu achten.

Interessant können offene VEFK-Seminare und andere VEFK-Weiterbildungen wie die Tagung „Expertennetzwerk Elektrotechnik“, das jährlich an wechselnden Orten stattfindet, auch sein, weil sich dort die VEFK aus den verschiedensten Unternehmen untereinander austauschen und vernetzen können.